Zur Neuauflage: “Die Seelendimension des Yoga”

Mit der soeben erschienenen Neuauflage des Buches „Die Seelendimension des Yoga“ ist dem Autor Heinz Grill ein Werk gelungen, das ohne Zweifel als wegweisend für die zukünftige Entwicklung des Yoga im Westen betrachtet werden kann. Bereits der Untertitel „Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg“ deutet an, dass hier nicht nur philosophische Inhalte vermittelt werden sollen, sondern der Leser und Übende zugleich eine profunde Anleitung erhalten soll, wie die Inhalte im eigenen Erleben nachzuvollziehen und somit zu individualisieren sind.


Worauf wurde Wert gelegt?

die-seelendimension-des-yogaBesonderer Wert wurde darauf gelegt, die im Buch enthaltenen Begrifflichkeiten des Yoga so praktisch und anschaulich herauszuarbeiten, dass der Leser sich beim Studium immer besser in der ihm entgegenkommenden Gedankenwelt gründen kann, ohne vorschnell seine eigenen Begrifflichkeiten mit der Terminologie Heinz Grills zu vermischen. Wie häufig ist es doch heute, und dies nicht nur auf dem Gebiet des Yoga, dass im Dialog der Anschauungen die gleichen Begriffe verwendet werden, aber doch ganz unterschiedliche Vorstellungen bestehen und damit Missverständnisse vorprogrammiert sind. Heinz Grill hierzu in seinem Vorwort, „Zum Gebrauch dieses Buches“: „Der Yoga und seine Anleitung heute bedarf einer neuen begrifflichen Interpretation und eines konkreten, differenzierten Gebrauchs seiner Übungen, damit er in seiner ursprünglichen Tiefe eine für das heutige Denken und Wahrnehmen aufklärende Betrachtung erhält und nun nach ausreichend erörterten Begriffen und im Kontext erfassten Bildern das Bewusstsein des gegenwärtigen Menschen erreichen kann.“

Der Yoga, so Heinz Grill, sei heute fast gänzlich zu einem Weg der Konsumorientierung geworden, und die Übenden würden fast automatisch die heute gesellschaftlich fest verankerte Konsumhaltung auf allen Lebensgebieten auch auf die Übungsweisen des Yoga übertragen: „Nicht dass der Yoga nur ein Missverständnis für die westliche Welt erzeugen kann, da er aus einem fernen Land und aus früheren Kulturformen entstanden ist, vielmehr ist es sogar die zeitgemäße Bewusstseinshaltung selbst, die das Nutzprinzip oder das materielle Gebrauchsprinzip zur höchsten Maxime erhoben hat, und die nun den Yoga mit seinen ehemaligen hohen Idealen und Inhalten in eine materialistische Sphäre mit ungesunden Vermischungen und Bewertungen der Begriffe führt und auf diese Weise die menschliche Entwicklung der Seele in heimliche und unerkannte Unfreiheiten lenkt.“

 

Was fordert der Autor vom Leser?

So fordert der Autor den Leser, dazu auf, statt einem konsumorientierten Ergreifen eines Übungsweges ein selbständiges Denken zu entwickeln, und die Gedanken und Inhalte durch ein „wiederholtes, einfühlsames und konzentriertes Erschauen und eigenständiges, bewusstes Erdenken und Vorstellen“ selbst zu ergründen.

Dass der Titel, „Die Seelendimension des Yoga“ nicht etwa als blumige Umschreibung eines mehr wolkig-subjektiven Seelenlebens in der Übungpraxis gemeint ist, zeigt sich für den Leser in der Folge immer deutlicher. Er bemerkt, dass Heinz Grill, wenn er von „Seele“ spricht, aus eigener Erfahrung eine ganz klare und tatsächlich existente Dimension unseres Daseins schildert, zu deren profunder Erforschung er den Leser ermutigen möchte, und diese dann im folgenden anhand von Übungen auch konkret anleitet.

So erfolgt, nach einer einleitenden Betrachtung zur Bedeutung der Atmung in der Übungspraxis eine umfangreiche, mehr als 40 Seiten umfassende und von Skizzen illustrierte Beschreibung der „verschiedenen Regionen des Seelenlebens“, welche sich, den sieben Chakren entsprechend in sieben Regionen gliedern lassen. An dieser Stelle des Buches zeigt sich wohl am deutlichsten der „Evolutionsschritt“ von der letzten, von 2003 stammenden Ausgabe des Buches hin zu der uns heute vorliegenden, wird der Leser doch in einer wunderbar nahen und einfühlsamen Sprache an die verschiedenen Empfindungsdimensionen der Chakren herangeführt, um sie dann in seiner eigenen Übungspraxis „wiederentdecken“ zu lernen. Neu hinzugekommen sind auch die Kapitel: „Die Aufmerksamkeit am praktischen Beispiel“ und „Der rhythmische Aufbau der Übung und die Entwicklung des Yoga aus dem sozialen Kontext“.

 

Wie ist der Verlauf des Buches?

Im folgenden Hauptteil sind den sieben Chakren jeweils vier bis sieben Übungen zugeordnet und nacheinander in ihren seelischen Sinnbildern und ihrer Ausführung beschrieben. Beeindruckend an diesem Übungsteil sind die Bilder, die durchaus auch für sich stehend die hohe künstlerische Dimension einer Übungsweise mit Yoga erahnen lassen, welche Yogaübungen nicht zum Konsum benutzt, sondern sie in ihrer ganzen Wesensgestalt herauszuarbeiten und im Körper darzustellen versucht. Auch hier sind im Vergleich zu letzten Ausgabe viele Übungen neu hinzugekommen, ja sogar eigens während der Entstehung dieses Buches für die Erfordernisse des Lesers angepasst oder neu konzipiert worden.

Den Abschluss bildet eine dreigegliederte Meditation zu den „drei Kreisen“, welche die Beziehung der Chakren untereinander und ihren Zusammenhang zum Kosmos als Ganze noch einmal verdeutlicht, sowie eine bebilderte Anleitung zum „Sonnengebet (Surya Namaskar).


Was ist unser Fazit?

Als ausgeprochenes Praxisbuch bietet diese Neuauflage eine wohl schier unerschöpfliche Grundlage für den Yogaleher, das ihm sowohl zum eigenen Studium, als auch als Inspirationsquelle für den Unterricht dienen kann. Auch der im Yoga noch unerfahrene Kursteilnehmer kann durch die erweiterte und an vielen Stellen vereinfachte Darstellung der Inhalte einen Zugang zu einer Yogapraxis finden, die ihn über die heute übliche Konsumhaltung hinaus in das reale Erleben einer seelischen Dimension des Lebens hineinzutragen imstande ist.

In diesem Sinne wünsche ich dem Buch eine weite Verbreitung und hoffe, dass es zukünftig einen würdigen Platz in der zeitgenössischen Yogaliteratur als ein Standardwerk eines zukunftsweisenden „Neuen Yogawillens“ erhalten wird.

Bernhard Spirkl

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